Call for Papers

 

Wa(h)re „Kultur“?

Kulturelles Erbe, Revitalisierung und die Renaissance der Idee von Kultur

Wien, 14. – 17. September 2011

DGV-Tagung zusammen mit dem Institut fĂĽr Kultur- und Sozialanthropologie der Universität Wien, dem Institut fĂĽr Sozialanthropologie der Ă–sterreichischen Akademie der Wissenschaften  und dem Kunsthistorischen Museum mit Museum fĂĽr Völkerkunde und Ă–sterreichischem Theatermuseum

In der Gegenwart erhält „Kultur“ immer neue Bedeutungen und wird zur Begründung immer neuer Handlungspraktiken herangezogen. Der Begriff trägt dazu bei, sich Gewissheit über gesellschaftliche Zugehörigkeit zu verschaffen, und er wurde zu einem Instrument, das es den verschiedensten sozialen Gruppen ermöglicht, Rechte und Transferleistungen einzufordern. Während die Ethnologie mit „Kultur“ durch eine über hundertjährige Geschichte der Definition und Revision von wissenschaftlichen Zugängen verbunden ist, sind in Politik und Gesellschaft immer häufiger Praktiken zu beobachten, die den Begriff „Kultur“ als subjektive und imaginative Strategie nutzen, um spezifische Interessen durchzusetzen. Übersetzungsleistungen, die zu Begriffen wie Firmenkultur, Freizeitkultur und gastronomische Kultur geführt haben, verweisen auf die Aktualität des Begriffs und auf einen möglichen ökonomischen Wert seines erweiterten Gebrauchs.

Ethnologen als Experten für die historischen Ambivalenzen der Idee von „Kultur“ sind gefordert, Gründe für die gegenwärtige Renaissance dieses Begriffes aufzuzeigen und zu erklären, warum die Verfügung über „Kultur“ zu einer erfolgversprechenden Strategie der gesellschaftlichen Anerkennung geworden ist. Ausgehend von dem Wissen, dass es in den meisten Fällen nicht möglich ist, bestimmte historisch bedeutungsvolle Kulturphänomene zeitgenössischen Gruppen zuzuordnen, fokussieren Ethnologen ihren Blick darauf, wie „Genealogien von Kulturen“ konstruiert oder mit Plausibilität versehen werden. Sie fragen zudem kritisch, ob die neue Popularität von „lokalen Kulturen“ aus dem damit verbundenen Gegengewicht gegen die Globalisierung zu erklären ist, das sich unter anderem in der Diversity-Konvention der UNESCO als neuer globaler Norm zeigt, oder ob sie doch eher eine Form der Selbstvermarktung ist. Die Revitalisierung ausgewählter Traditionen ist eine weitere Strategie, mit der die Anerkennung der „Besitzer“ dieser Kultur durchgesetzt wird. Die Begriffe des „kulturellen Erbes“ sowie der „kulturellen Rechte“ werden somit zu Ressourcen und zugleich zu einem umkämpften Terrain, wobei die Kriterien der Inklusion oder Exklusion zu diesen Kategorien – wie zu „Kultur“ überhaupt – kaum je geklärt wurden. Vor dem Hintergrund dieser widersprüchlichen Entwicklungen soll die Konferenz einen Beitrag zur kritischen Reflexion des gegenwärtigen „Gebrauchs von Kultur“ leisten.

 

Aufruf zu Tagungsbeiträgen / Call for Papers

Bitte beachten Sie, dass pro Person nur ein Vortrag auf der gesamten Tagung möglich ist. Beschränken Sie bitte Ihren Text auf 150 Worte und schicken sie ihn direkt an die/den Workshop-Leiter/in.

Frist: 11.03.2011


Workshop 17. Das Ethnologische Museum als Forschungsfeld

Stefan Eisenhofer und Karin Guggeis (Arbeitsgruppe Museum)

 

Das Museum erlebt seit einigen Jahren in der ethnologischen Forschung eine Renaissance und rückt auch im universitären Bereich wieder stärker in den Fokus. Dabei werden nicht nur die Sammlungen in den Museen wieder mehr zum Gegenstand von Diskursen, sondern auch das Museum selbst erfährt als Forschungsfeld zunehmendes Interesse. Aufgrund der Position der Museen als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit eröffnen sich multivokale Ansätze und unterschiedlichste Fragestellungen für dieses Forschungsfeld: Ethnologische Museen werden als Orte der Inklusion und Exklusion untersucht, als Bühnen der Repräsentation und Performanz, als Schauplätze der Inszenierung von Fremdheit und Identität, als Arenen zwischen Wissenschaft und Markt, als Orte der Wissenschaftsgeschichte – um den Facettenreichtum nur anzureißen. Dieser neue Blick auf das Museum eröffnet zusammen mit den lange vorherrschenden Forschungen über die Objekte der Sammlung und deren Ausstellungspraktiken vielfältige Anknüpfungspunkte zu Fragen über die „wa(h)re Kultur“.

Im Mittelpunkt des Workshops stehen Fragen des „Othering“ in ethnologischen Ausstellungen sowie Fragen nach den Argumentationspraxen von „Authentizität“ von ethnologischen Objekten aus seit weit über 100 Jahren vermeintlich „sterbenden“ Kulturen. Ziel des Workshops ist es, neben grundlegenden Einblicken in die aktuellen Diskurse in Museumspraxis und -forschung Erkenntnisse über Perspektiven Ethnologischer Museen im 21. Jahrhundert zu gewinnen.

 

Dr. Stefan Eisenhofer                                       Karin Guggeis

stefan.eisenhofer@mfv.bayern.de                    karin.guggeis@mfv.bayern.de